Essstörungen bei Männern werden häufig spät erkannt oder bleiben unbehandelt. Neben gesellschaftlichen Vorurteilen können auch Wissenslücken und stereotype Vorstellungen im Gesundheitswesen dazu beitragen, dass Symptome übersehen werden. Vor diesem Hintergrund wurde im Rahmen unseres Projekts die Online-Intervention iSMEsH (Intervention gegen die Stigmatisierung von Männern mit Essstörung in der hausärztlichen Versorgung) entwickelt.

In einer randomisierten kontrollierten Studie wurde nun die Wirksamkeit der Intervention bei Hausärzt:innen und Medizinstudierenden untersucht. Die Schulung umfasste sechs kurze, flexibel nutzbare Videomodule, die gemeinsam mit Männern mit eigener Essstörungserfahrung entwickelt wurden. Ziel war es, Wissen über Essstörungen bei Männern zu verbessern, stigmatisierende Einstellungen zu reduzieren und die Handlungssicherheit im Umgang mit Betroffenen zu stärken.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Intervention das Wissen über männerspezifische Erscheinungsformen von Essstörungen sowie die wahrgenommene Behandlungskompetenz signifikant verbessern konnte. Die Effekte auf emotionale und einstellungsbezogene Aspekte von Stigmatisierung fielen dagegen weniger eindeutig aus, was auf die Notwendigkeit längerer Beobachtungszeiträume hinweisen könnte.

Die Befunde sprechen dafür, dass kurze, digitale und niedrigschwellige Schulungsangebote einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung von Männern mit Essstörungen leisten können. Gleichzeitig liefern sie wichtige Hinweise für die Weiterentwicklung zukünftiger Maßnahmen zur Stigmareduktion im Gesundheitswesen.

Publikation: hier abrufen
Lehe MS, Halbeisen G, Steins-Loeber S, Paslakis G. Efficacy of the Intervention Against the Stigmatization of Men With Eating Disorders in Primary Healthcare (iSMEsH): Results From a Randomized Waitlist-Controlled Study. International Journal of Eating Disorders. 2026. First published online: 09 March 2026. doi:10.1002/eat.70080.

Neue Studie: iSMEsH-Intervention verbessert Wissen und Handlungssicherheit zu Essstörungen bei Männern